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10 Stufen

Die Treppe der politischen Selbstwirksamkeit

Wählen alle vier Jahre ist nicht das Ende der Geschichte, sondern der Anfang. Hier sind zehn konkrete Wege, wie du als Bürgerin oder Bürger in Deutschland politisch wirklich etwas bewegst, sortiert nach Aufwand.

Du musst nicht oben anfangen und du musst nicht alles tun. Wer auf Stufe 3 steht, ist schon weiter als 95 % der Bevölkerung. Wer auf Stufe 7 steht, hat etwas, das die meisten Lobbyisten nicht haben: eine Wählerstimme, ein Gesicht und einen Namen, der im Wahlkreisbüro bekannt ist.

Such dir die nächste Stufe aus, die du dir zutraust. Dann nimm sie.

  1. Wählen gehen

    Aufwand: 5 Minuten, alle paar Jahre

    Die Bundestagswahl 2025 hatte 82,5 % Beteiligung. Hoch, aber das heißt immer noch: rund 11 Millionen Wahlberechtigte sind nicht hingegangen. Wählen ist die unterste Stufe und das Mindeste. Wer hier nicht steht, kann nirgendwo sonst stehen.

  2. Eine Petition mitzeichnen

    Aufwand: 60 Sekunden

    Auf epetitionen.bundestag.de kannst du öffentliche Petitionen mit deinem Namen unterstützen. Bei 30.000 Mitzeichnungen innerhalb von sechs Wochen wird die Petition im Petitionsausschuss öffentlich angehört. Das Quorum wurde 2024 von 50.000 auf 30.000 gesenkt: deine Unterschrift zählt heute mehr als noch vor zwei Jahren.

  3. Einen Brief an deinen Abgeordneten schreiben

    Aufwand: 10 bis 30 Minuten

    Ein handgeschriebener Brief landet auf dem Schreibtisch eines Abgeordneten und wird gelesen. E-Mails laufen durch Filter, Tweets gehen unter. Briefe werden geöffnet. Sie zählen in vielen Büros statistisch mit, manche sortieren sie nach Wahlkreis und Thema. Wenn du nicht weißt, an wen genau du schreiben sollst: dafür haben wir Brief-nach-Berlin gebaut.

  4. Eine eigene Petition starten

    Aufwand: ein paar Stunden Recherche

    Jeder Mensch kann eine Petition an den Bundestag richten. Du brauchst einen klaren Forderungstext, eine kurze Begründung und genug Geduld, um in sechs Wochen 30.000 Unterstützer zu sammeln. Die meisten Petitionen scheitern am Quorum. Aber selbst eine gescheiterte Petition wird vom Petitionsausschuss bearbeitet und beantwortet, und wer 5.000 Unterschriften zusammenbringt, hat damit oft schon mehr Reichweite erzeugt als drei Lokalzeitungsartikel.

  5. Einen Leserbrief schreiben oder öffentlich posten

    Aufwand: 30 Minuten

    Lokalzeitungen drucken Leserbriefe oft fast unverändert ab, vor allem wenn sie konkret und auf einen Artikel bezogen sind. Eine Wochenend-Ausgabe wird gelesen, im Café ausgelegt, beim Bäcker besprochen. Ein Post auf LinkedIn oder Mastodon mit Tag an den zuständigen Politiker tut etwas Ähnliches digital. Beides ist sichtbar und macht klar: hier ist eine Wählerstimme mit einer Meinung.

  6. Eine Bürgersprechstunde besuchen

    Aufwand: ein Termin, meist abends

    Fast jeder Bundestags- und Landtagsabgeordnete bietet einmal im Monat eine Bürgersprechstunde im Wahlkreisbüro an. Termine stehen auf der Website der oder des Abgeordneten oder du rufst im Wahlkreisbüro an. Eine halbe Stunde, gegenüber von einer Person, die in Berlin oder im Landtag mitstimmt. Das ist Demokratie auf Augenhöhe und kostet dich nur die Anfahrt.

  7. Bei deiner Landtagsabgeordneten anrufen oder vorbeigehen

    Aufwand: 20 Minuten

    Das machen die wenigsten. Und genau deswegen wirkt es. Bundestag ist medial sichtbar, Landtag ist es nicht, also denken die meisten Menschen nicht daran. Dabei entscheidet dein Landtag über Schulen, Polizei, Wohnungsbau, Kitas, Hochschulen, viele Steuern, das halbe Leben.

    Ruf im Landtagsbüro an. Frag, ob du persönlich vorbeikommen kannst. Du wirst überrascht sein, wie viel Zeit dir gegeben wird, schlicht weil sonst niemand kommt.

  8. In einem Verein, einer Bürgerinitiative oder einem Ortsverband mitmachen

    Aufwand: ein bis zwei Abende im Monat

    Ortsverbände der Parteien, lokale Bürgerinitiativen, Vereine zu Mobilität, Klima, Wohnen, Pflege: alle suchen Mitglieder. Du musst nicht gleich eintreten und du musst nicht zu allem ja sagen. Geh zu einer offenen Sitzung, hör zu, frag nach. Aus diesen Gruppen kommen die Menschen, die zwei Stufen weiter oben kandidieren oder Gründungen anschieben. Hier lernst du, wie Politik tatsächlich funktioniert: über Beziehungen, nicht über Ideen allein.

  9. Selbst auf kommunaler Ebene kandidieren

    Aufwand: einige Wochen Vorbereitung, ein Wahlkampf

    Stadtrat, Gemeinderat, Ortsbeirat, Bezirksverordnetenversammlung in den Stadtstaaten. Der Einstieg ist niedriger, als die meisten denken. Du brauchst keine Parteimitgliedschaft, viele Kommunen haben freie Wählervereinigungen oder Listen, die dich aufnehmen. Eine Stadtratssitzung kostet dich ein paar Stunden im Monat und du entscheidest mit über Schulhof-Sanierungen, Radwege, Bauanträge, Kita-Plätze. Konkret, vor deiner Haustür, sofort wirksam.

  10. Eine eigene Bürgerinitiative, einen Verein oder eine Bewegung gründen

    Aufwand: Monate bis Jahre

    Die höchste Stufe und die anstrengendste. Wenn dir keine bestehende Gruppe für dein Anliegen passt, gründest du selbst. Sieben Personen reichen für einen eingetragenen Verein, eine Bürgerinitiative geht auch formloser. Das ist die Stufe, auf der aus Wut etwas wird, das andere Menschen mitnehmen kann. Fridays for Future fing mit einer einzelnen Schülerin an, der ADFC mit einer Handvoll Radfahrenden. Du musst nicht die Welt retten. Es reicht, wenn du den Punkt rettest, an dem du wohnst.

Wo fängst du an?

Wenn du heute eine Stufe nehmen willst, ist Stufe 3 die mit dem besten Verhältnis aus Aufwand und Wirkung. Schreib einen Brief. Direkt an die Person in Berlin, die für dein Anliegen zuständig ist. Wir helfen dir, die richtige zu finden und ihn zu formulieren.

Brief schreiben →

Mehr dazu, warum gerade ein Brief so eine starke Stufe ist, steht unter Warum ein Brief mehr ist als ein Brief.